EINFÜHRUNG IN DIE PHARMAKOLOGIE
H. Allain,
O. Zekri
Pharmakologie ist die Lehre von den Arzneimitteln. Sie
fördert ihre Entwicklung, trägt zum Verständnis ihrer Wirkungsmechanismen
bei und zeigt uns, wie sie anzuwenden sind. Sie befaßt sich auch
mit der Beurteilung ihrer Wirksamkeit (durch klinische Prüfungen)
und Sicherheit (im Rahmen der Arzneimittelüberwachung). Das gesamte
Gebiet ist durch staatliche und gesetzgeberische Maßnahmen sowie
durch komplexe Kontrollsysteme gekennzeichnet und umfaßt Elemente
von Forschung und Entwicklung (in der Pharmaindustrie) wie auch der sogenannten
Grundlagenforschung.
Wer Therapeutik studiert, muß sich unbedingt auch
mit Pharmakologie befassen. Kollektive Daten (Pharmakologie von Populationen,
klinische Pharmakologie) lassen sich nur durch dauernde Flexibilität
auf das im konkreten Fall erforderliche Vorgehen umsetzen. Das gleiche
gilt auch für die pharmakokinetische Überwachung des einzelnen
Patienten. Die Anwendung pharmakoepidemiologischer Angaben auf den Einzelfall
ist mit der Interpretation statistischer Größen verbunden.
Die sich fortwährend weiterentwickelnde Pharmakologie
ist ein hervorragender Übungsplatz für die Forschung, vor allem
im klinischen Bereich. Sie ist für alle Fachrichtungen der Medizin
von erheblicher Bedeutung und erfordert die Anwendung von Techniken aus
anderen Spezialgebieten, zum Beispiel von Methoden der Biochemie, Epidemiologie
und Statistik.
Die Pharmakologie besitzt ein eigenes Vokabular sowie
eigene Institutionen, Gesetze und Vorschriften, ganz zu schweigen von den
Grundregeln der Arzneimittelanwendung und der Verordnung von Medikamenten,
die erst erlernt werden müssen. Vor dem Studium der verschiedenen
Wirksubstanzen muß man sich ein fundiertes Wissen über Placebo-
und Nocebowirkungen aneignen. Die offiziellen Verfahren zur Bestimmung
des pharmakokinetischen Profils von Arzneisubstanzen, zur Durchführung
klinischer Versuche oder zur Teilnahme an solchen Studien und zur Auswertung
der Ergebnisse der Arzneimittelüberwachung und der Pharmakoepidemiologie
(Metaanalysen) sind Gegenstand allgemeiner Ausführungen, die beim
Studium der auf den verschiedenen medizinischen Fachgebieten verwendeten
Pharmaka nachgelesen werden müssen. Diese Überlegungen spielen
schon zu Beginn der klinischen Ausbildung und später auch in der Praxis
eine wesentliche Rolle und lassen sich in der folgenden Gleichung zusammenfassen:
Pharmakologie = Leitfaden für die Therapeutik =
Methode zur Optimierung der Therapie
Die Pharmakologie ist ein hervorragendes Werkzeug für
die Forschung. Aufgrund ihrer spezifischen Wirkungsmechanismen sind Arzneisubstanzen
nämlich gleichsam Sonden, mit denen die hintersten Winkel der Physiologie
ausgelotet werden können. Dies kommt besonders auf dem Gebiet der
Neuropsychopharmakologie zur Geltung. Hier liegt die Grundlage für
das Verständnis von Verhaltens- und vielleicht sogar von Denkweisen.
Im Grundlagenbereich ist die Pharmakologie bei der Erarbeitung von Versuchsmodellen
behilflich.
Die Pharmakologie bietet gute Zukunftsaussichten: Die
Arzneimittel der Zukunft sind das Ergebnis der Forschungen auf dem Gebiet
der Biotechnologie (Gentherapie) und der Verbesserungen im Bereich der
Galenik. Pharmakologie hat zwar ihren Preis; bei entsprechender Überwachung
kann sie aber zu Einsparungen im Gesundheitswesen beitragen (Pharmakoökonomik).
Sie ist ferner eine Quelle von Erkenntnissen in der Bioethik und liefert
Maßstäbe für die Beurteilung neuer Technologien der Informationsverbreitung.
So gibt es zum Beispiel im Internet unter http://www.each.be
eine Website über die Alzheimer-Krankheit in Europa.
Schließlich liefert die Pharmakologie einen objektiv
fundierten Lernansatz für die Medizin.